Conrad von Vietinghoff, der Vater
![]() M. Yourcenar mag das vom Maler Egon erfahren haben oder sie entdeckte diese Exzentrikerin selber, was die merkwürdige Ähnlichkeit ihres Romantitels Alexis oder der vergebliche Kampf (1927/1928) mit dem genannten Werk von Juliane von Krüdener nahelegt: Alexis oder die Geschichte eines russischen Soldaten. Fast Ruhm, fast Liebe, fast Glück? Juliane hielt flammende religiöse Reden im Aargau und in Basel, betrieb für die nach den Napoleonischen Kriegen hungernde Bevölkerung selber Suppenküchen in Basel und im Badischen bis sie da wie dort als zu subversiv des Landes verwiesen wurde und beim Zaren in Ungnade gefallen, mittellos und abgeschieden auf der Krim verstarb. Dort hatte ihr der Zar früher die Gründung einer pietistischen Kolonie erlaubt. |
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11 - Allgemeine Bemerkungen und Berichtigungen ![]() Wir laden alle bisherigen und zukünftigen Autoren und Übersetzer ein, falsche Angaben und Behauptungen in den Biographien, wissenschaftlichen Abhandlungen und Internet-Artikeln zu korrigieren. Bitte bezeichnen Sie die entsprechenden Passagen in Ihren Büchern und Artikeln als abweichend von der historischen Realität und als schriftstellerische Freiheit Marguerite Yourcenars. |
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![]() Conrad selbst bekam sein Erbe ausgezahlt, noch vor dem Verlust der Heimat infolge der russischen Revolutionen, so dass er bis in die 1930er Jahre keine materiellen Sorgen hatte. |
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![]() Nach Jeannes Tod lebte Conrad alleine und war so naiv, großzügige Geschenke, Darlehen und Bürgschaften an Betrüger zu geben, die über ihre finanzielle Lage jammerten. |
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![]() III. Conrad ging nicht in Pressburg (Bratislava) zur Schule und studierte in Dorpat (Tartu) nicht Jura, sondern Landwirtschaft und Ökonomie. Er hat auch nie in Wien gelebt. |
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![]() ![]() V. Nahm Conrad keinen einzigen Tag am antibolschewistischen Kampf in seiner Heimat teil; er verbrachte den Ersten Weltkrieg zuerst in Genf und zog 1917 nach Zürich, wo er und seine Familie 1921 die schweizerische Staatsbürgerschaft beantragte und sie 1922 bekam. |
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![]() VII. Conrad machte nicht deshalb keine Karriere, weil er Misserfolge hatte, sondern weil er zu sensibel und gehemmt war, um vor einem anonymen Publikum zu spielen. Abgesehen von gelegentlichen Hauskonzerten in Wiesbaden und in Zollikon spielte er nur für sich oder für Freunde. Er war viel zu schüchtern und introvertiert für große solistische Auftritte. Conrad hatte keine breite Anerkennung und beteiligte sich nur an zwei Wohltätigkeitskonzerten: 1910 auf Schloss Neuwied (Deutschland) und 1923 in Fribourg (Schweiz). |
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![]() IX. Der sogenannte "Skandal von Rom" ein literarisches Echo auf die Probleme, die M.Yourcenar mit J.Wilson und seinem Freund Daniel in Indien hatte (vgl. M.Goslar, S.319f). Er hat nichts mit Conrad v.Vietinghoff zu tun. X. Conrad war weder katholischen noch orthodoxen Glaubens. Er war ebenso wie Jeanne auf eine freie Art religiös aber protestantisch-lutherischer Konfession. XI. Es gab keine finanzielle Ungleicheit zwischen Conrad und Jeanne oder gar eine materielle Abhängigkeit seinerseits. Sie kam aus großbürgerlich-wohlhabendem Haus und er verfügte während ihrer Ehe über genügend eigene Mittel, um nach einem Ortswechsel große Wohnungen oder Häuser zu kaufen, mit den Kindern zu verreisen, in Erstklasshotels zu logieren, ihren Söhnen private Lehrer und Institute zu ermöglichen sowie zu literarischen und musikalischen Abenden einzuladen. XII. Conrad und Jeanne haben gelegentlich nicht zusammen gelebt. Das kann jeweils während der Umzüge in ein anderes Land gewesen sein, da Jeanne die zupackende war und Conrad äußerst unpraktisch. Oder umgekehrt, z.B. bei den Umzügen in eine deutschsprachige Stadt (von Paris nach Wiesbaden oder von Genf nach Zürich), falls Jeanne bei den Kindern blieb und Conrad mit Behördengängen und der Suche nach einem Haus beschäftigt war. Das Haus in der Böcklinstraße wurde erst 1918 gekauft. Eine wirkliche Trennung fand nie statt. Auch gibt es weder in Erzählungen noch in einem der Nachlässe irgendeinen Hinweis auf einen Abschiedsbrief. Das Ende ihres Lebens verbrachte Jeanne krankheitsbedingt in einer Klinik (Sanatorium?) am Genfer See, während Conrad im gemeinsamen Haus in Zürich blieb, da er sie nicht angemessen pflegen konnte. |
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