Naturprodukte
Naturprodukte als Werkstoffe ![]() Für ihn sind diese "Urmaterialien" die logischen Werkstoffe, die sowohl seinen zeitlosen von der Natur angebotenen Bildinhalten als auch seiner ungekünstelten Sicht und Arbeitsweise angemessen sind. |
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![]() Das reale Objekt ist als Auslöser der Vision entscheidend. Im künstlerischen Umwandlungsprozess wurde es jedoch von der Vision abgelöst und hat seine konkrete Bedeutung verloren. Trotzdem ist es bei gegenständlicher Malerei wieder erkennbar. |
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![]() Außer bei der Brechung des Lichts sind Farben immer an Gegenstände gebunden. Deshalb entsteht in der Vermittlung des visuellen Erlebnisses der Gegenstand auf der Leinwand fast wie von selber, wenn die Farbwahrnehmung sich auf eine konkrete Form bezieht und keine konstruierte Abstraktion vorliegt – auch wenn es sich vor dem geistigen Auge abspielte. Des Betrachters Auge setzt diese Farb- und Formenelemente ganz selbstverständlich zum ursprünglichen Gegenstand zusammen und erkennt die Vorlage wieder. Das Künstlerische daran ist nicht eine verblüffende Kopie oder eine nachdenklich stimmende oder aufrüttelnde Veränderung zu erzeugen, sondern in der Kontemplation das Wesen der Objekte zu erfassen und die Phantasie bei der Umsetzung der Farbvision. |
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![]() Sparsam verwertet er auch kleinste Mengen schwer erhältlicher Substanzen. So muss z.B. ein pflanzliches Öl aus vollreifen, nicht angeschimmelten Samen und zudem kalt geschlagen aus erster Pressung stammen. Außerdem darf es nicht chemisch extrahiert oder mit Mineralöl oder Tiertran verschnitten sein. |
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![]() In der Produktion ist industriell hergestelltes Öl zwar ergiebiger und im Handel auch günstiger zu bekommen, doch für Vietinghoffs hohe künstlerische Ansprüche sind diese Industrieprodukte nicht brauchbar. Allerdings kann er auf einige chemisch produzierte Pigmente auch nicht verzichten. |
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![]() Sein Ora-et-labora ("Bete und Arbeite") fächert sich von meditativen Einblicken in die Natur seiner Motive bis hin zur Meisterung der Werkstoffe aus der Natur, die ihm die Darstellung des Geschauten ermöglicht. So entstehen seine charakteristischen Farben, die er auf die gewünschte Wirkung genau hin gemischt und auf deren Eigenschaften und Haltbarkeit er sich verlassen kann. |
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![]() Ein chronisches Problem ist die Beschaffung des unersetzlichen Bleiweiß in bester Qualität – bei seiner Malweise eine der wichtigsten Farben. Er besorgt es sich meistens aus Paris, wohin er bis in die Siebzigerjahre jedes Jahr fährt. Über Verwandte und Bekannte sucht er danach – oft verzweifelt – in anderen ausländischen Metropolen und kauft sich auf seinen Reisen kleinere naturbelassene Restbestände verschiedener Materialien zusammen. |
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![]() Wer braucht denn diese Qualität noch, wer hat noch solche Ansprüche in Zeiten allgemeiner Synthetisierungseuphorie und aufkommenden Massenkonsums, in denen man Bilder mit Acrylfarben aus der Spritzpistole fertigt? (Etwa 10-15 Jahre nach dem Tod des Künstlers scheint teilweise eine allmähliche Rückbesinnung begonnen zu haben; die Qualität einiger Produkte hat sich wieder verbessert) |
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