Jeanne von Vietinghoff, die Mutter
Ich zähmte die Wölfin ![]() Die Schriftstellerin selbst erwähnt später, dass sie Trajans Frau, die Kaiserin Plotina (gestorben 123 n.Chr.) mit Charakterzügen von Jeanne von Vietinghoff versah. Sie taucht in dezenter Rolle an 20 Stellen des Romans auf. Immer ergreift sie für Hadrian hilfreich Partei, was Jeannes moralische Stütze für Marguerite spiegelt. Es ist ein eher stilles gegenseitiges Verstehen skizziert, das nur weniger Worte und demonstrativer Handlungen bedarf. Man fühlt sich erinnert an Jeannes geistige Unterstützung aus der Ferne. Sie hatte mir von jeher in schwierigen Zeiten beigestanden, leichthin, so als wüsste sie nicht, dass sie es tat. (S.68). Unser Einvernehmen bedurfte keiner Aussprache und keiner Erörterung, die Tatsachen genügten. (S.69) |
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![]() Was den Parallelen zwischen der Kaiserin Plotina und Jeanne de Vietinghoff entspricht, sind Plotinas schönes Gesicht und ihre Herkunft aus gleicher Umgebung und Gesellschaftsschicht, während Yourcenar in anderen Punkten abweicht: a) das ungefähr gleiche Alter von Hadrian und Plotina kann sich nicht auf Marguerite und ihr Idol Jeanne (die erträumte Mutter) beziehen, b) dass Jeanne so wie Plotina sie ihren Mann überlebte. |
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![]() Ich hatte mitangesehen, wie sie (Plotina) sich still in ein Dasein fügt, das an Abhängigkeiten dem meinen ähnelte, dabei aber nicht einmal für die Zukunft Aussichten bot. … Die weiße Gestalt in der so schlichten Gewandung war mir vertraut geworden, ihr Schweigen und ihr gemessenes Wort, das immer nur Antwort war, die klarste, die sich denken ließ. … Wir waren uns in fast allem einig. Beide liebten wir es, die Seele reich zu entfalten, bald bar jeden Schmuckes zu lassen und den Geist an jedem Prüfstein zu wetzen. … Das Rätsel der Gottheit, das mich quälte, beunruhigte sie nicht, ebenso war ihr meine leidenschaftliche Lust am Fleische fremd. Sie war keusch, weil sie es verschmähte, das Leben leicht zu nehmen, großmütig mehr aus Überzeugung als von Natur, voll weisen Misstrauens, aber doch bereit, einen Freund so wie er war hinzunehmen, mit allen seinen Fehlern. Die einmal getroffene Wahl verpflichtete sie ganz, sie ging in der Freundschaft auf wie ich nur in der Liebe. Sie kannte mich besser als irgendwer… Die leibliche Gemeinschaft, die nie zwischen uns bestand, wurde durch diesen Austausch zweier eng verbundener Seelen aufgewogen. (S.68f.). … und nie geschah es, dass sie zu lange zögerte oder sich zu rasch entschloss, wie es bei mir vorkam. … Nie beging sie in meinem Beisein den groben Fehler, über den Kaiser (vgl. Jeanne gegenüber Conrad) zu klagen, noch auch den feineren, ihn zu entschuldigen oder herauszustreichen. … Plotina schien keine Müdigkeit zu kennen, sie war so widerstandsfähig, wie sie zart war. (S.69) |
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![]() Dass Jeanne de Vietinghoff mit ihrer fernen "Patenschaft", ihrer Haltung und inneren Stärke der jungen Marguerite Kraft spendete und ihren schriftstellerischen Ehrgeiz beflügelte, mag in diesem Satz verklausuliert sein: Ich war für jeden Fall entschlossen gewesen, meine Anwartschaft auf den Thron bis zum Äußersten zu verteidigen, die Adoption enthob mich des Kampfes. Da mir um mein eigenes Schicksal nicht mehr bangte, konnte ich wieder an das der Allgemeinheit denken. (S.77) |
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![]() Sehr aufschlussreich sind auch folgende Betrachtungen: Plotina lebte nicht mehr. Bei einem vorhergehenden Aufenthalt in der Stadt hatte ich die Frau, die nach der amtlichen Benennung meine Mutter hieß, zum letzten Male wiedergesehen. Sie war weit mehr als das gewesen: meine einzige Freundin. … Ich wohnte den Feierlichkeiten ihrer Vergöttlichung bei und legte, entgegen dem kaiserlichen Brauch, neun Tage lang Trauer an. Doch änderte der Tod nur wenig an einem Verhältnis, das seit Jahren auch ohne persönliches Beisammensein bestanden hatte. Die Kaiserin blieb für mich, was sie mir immer gewesen war, eine Geistesrichtung, eine Gedankenwelt, der ich die meinige vermählt hatte. (S.133) Oft muss ich … an die schöne Inschrift denken, die Plotina auf der Schwelle der in ihrem Auftrag … erbauten Bibliothek hat anbringen lassen: 'Hospiz der Seele'. (S.178) Nur dadurch unterscheide ich mich von den Toten, dass ich noch kurze Zeit nach Luft schnappen darf; ihr Dasein dünkt mich in einer Hinsicht gesicherter als das meine. Antinous und Plotina sind mindestens ebenso wirklich wie ich. (S.225) |
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Die schwarze Flamme
Laut Anmerkung von Marguerite Yourcenar zeigt die Dame von Frösö, eine skandinavische Heilerin, von der in diesem Roman von 1968 nur selten die Rede ist, körperliche und seelische Eigenschaften von Jeanne de Vietinghoff. Diese Spuren sind jedoch spärlich und nicht bedeutend genug, um auf Jeanne entscheidende Rückschlüsse ziehen zu können. Was bleibt, ist eine große, elegante Gestalt mit heller Haut und Stimme, schönen Händen sowie mit besonderer Leichtigkeit beim Schreiten; eine Frau, die ebenso gütig wie wohltätig ist und in der Zuvorkommenheit einer Dienerin die Würde einer Königin hatte. (Fischer TB 10072, 1991, S.187-189 und 292)
Bezeichnend für die "heimatlose" Marguerite Yourcenar ist auch ein Satz über Zenon, die Hauptfigur ihres Romans Die schwarze Flamme, als er nach langer Flucht verhaftet wurde: Als er in die Kanzlei kam, überraschte er jedermann, indem er seinen wirklichen Namen angab. (S.293) |
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Gedenkbilder ![]() |
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Eine Überraschung erwartete Michel [den Vater]. Fernande stellte ihn im letzten Augenblick ihrer Brautjungfer Monique, der schönen Holländerin vor, die aus Den Haag gekommen war. … Monique beeindruckte und bezauberte Michel. Hätte die Baronin … dieses großäugige … Mädchen … eingeladen … Doch es war zu spät und zudem war Mademoiselle G. verlobt. (S. 292)
Kommentar: Monique (Monika) ist auch der Name von Alexis' Frau. Jeanne Bricou, später von Vietinghoff, war 12 Jahre alt als sie in die Klosterschule eintrat. Sie war tatsächlich protestantisch und außergewöhnlich schön jedoch weder holländisch noch Baronesse. Ganz offensichtlich basiert diese Beschreibung auf dem Nachruf von Hélène Naville, den sie Marguerite Yourcenar zuschickte, gemischt mit den Erzählungen ihres Vaters und ihrer eigenen Erinnerungen. Es ist richtig, dass Jeanne verlobt war, nämlich mit Conrad von Vietinghoff. |
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Liebesläufe ![]() Sie hat dabei nicht rein Künstlerisches im Sinne, denn es ist ein offensichtliches Verpacken eigener Themen in den Figuren – wie es Schriftsteller so tun. Yourcenar selbst schreibt: Darüber hinaus muss man daran erinnern, dass jede Liebe, ..., sich innerhalb einer bestimmten Situation ereignet und wieder verliert und dass diese Liebe sich in einem Komplex von Gefühlen und Umständen abspielt, die in einem Roman den Leitfaden der Erzählung .... bilden würde. In "Feuer" sind diese Gefühle und Umstände bald direkt, wenn auch durch einzelne "Gedanken" verschlüsselt, die ursprünglich Eintragungen in einem intimen Tagebuch waren, ausgedrückt, bald indirekt, als Gegensatz, durch Erzählungen, die Legenden oder der Geschichte entliehen sind und dem Poeten bei der Überwindung der Zeit dienen sollen. (Dietrich Gronau, Marguerite Yourcenar S.77f.). |
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Yourcenars Romanfiguren im Vergleich zu den historischen Gegebenheiten
Kommentare zur dichterischen Freiheit Seitenzahlen zitiert nach Fischer TB 10499 in der Übersetzung von Rolf und Hedda Soellner. |
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![]() In ihrem Nachlass befinden sich jedoch noch heute die Todesanzeige vom 19.6.1903 sowie ein katholisches Gebetskärtchen. Wer sich auf den angeblichen Brief von Jeanne ("von Reval") an Michel de Crayencour beruft, sollte zur Kenntnis nehmen, dass Jeanne hier von zwei gemeinsamen Söhnen mit ihrem Mann spricht. Da dieser Brief wegen inhaltlicher Fehler eine Erfindung Yourcenars sein muss, kommt somit ihre eigene Meinung zum Ausdruck, dass Jeannes Söhne Egon und Alexis echte Brüder sind (in Liebesläufe mit Namen "Clément" und "Axel"). Der von der Biographin Michèle Goslar wiederholt geäußerten "Hypothese", dass Alexis einem außerehelichen Verhältnis von Jeanne mit Michel, dem Vater von Marguerite Yourcenar, entsprossen sein könnte, wird dadurch die Nahrung entzogen. M.Y. selbst scheint nie auf diese abwegige Idee gekommen zu sein, schreibt sie doch (S.112): … aber Egons (= "Conrads") beide Söhne sind ihm ähnlich und (S.136) ... sagt er (Michel) sich, dass dieses milde Feuer, das ständig in ihr (Jeanne) zu glimmen scheint, nichts anderes ist als das unbeirrbare Wirken der Liebe. Liebe zu Egon ("von Reval"), an der Michel, der sich immer wieder die Frage gestellt hat, nun nicht mehr zweifelt. Liebe zu ihren beiden Söhnen, ….. Liebe gewiss auch zu Marguerite, .... Liebe zu den Armen, ... |
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![]() Hingegen besaßen die mit ihnen verwandten Baron und Baronin Stratenus in Nieuw Rande bei Deventer ein großes Haus (heute Hotel Gaya) mit Park und Pferden, von wo Fotos von Jeanne und ihren Kindern vorhanden sind. (S. 63) |
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3. Jeannes Vater war Belgier, die Mutter war gebürtige Holländerin und hatte die belgische Staatsangehörigkeit. Demnach war Jeanne bei Geburt auch Belgierin und durch Heirat zuerst russische Untertanin, später Schweizerin. Sie ist in Brüssel geboren und aufgewachsen. Dennoch bezeichnet M.Y. Jeanne immer als Holländerin, was von einigen Biographen fälschlicherweise übernommen wurde. (S. 67)
4. Yourcenars Mutter Fernande war nicht ein wenig jünger als Jeanne, sondern fast vier Jahre älter. Jeannes Daten waren der Autorin aufgrund des Nachrufs von Hélène Naville bekannt. Entweder hatte sie es in fortgeschrittenem Alter vergessen, ohne es noch einmal zu prüfen, oder sie drehte es absichtlich um – wozu? (S.67 und S… ) 5. Dass es in der Pubertät zwischen Jeanne und Fernande eine erotische Entdeckungsphase gab, wäre nichts weiter als natürlich. Was darüber hinaus geht, kommentiert M.Y. so: Zahnlose ehemalige Gouvernanten haben lange Zeit gelispelt, eine Freundschaft besonderer Art habe diese Schülerinnen verbunden. Auf jeden Fall war es eine zärtliche und warme Intimität. Diese Vermutung kann ebenso gut ihrer eigenen lesbischen Veranlagung entsprungen sein oder ihrer notorisch "voyeuristischen" Neigung oder sogar ihrem eigenen Wunschdenken nach körperlichem Austausch mit der schönen Jeanne. Deshalb überlässt es die Autorin der Phantasie des Lesers mit dem Satz: Aber das Gemunkel der alten Fräuleins reicht als Beweis eines solchen Aufloderns der Sinne nicht aus: wir werden niemals wissen, ob Jeanne und Fernande es kannten oder auch nur gemeinsam erahnten. (S.67) |
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![]() Genau das Gegenteil war der Fall: die wegen Jeannes Jugend lange Enthaltsamkeit fordernde Verlobungszeit und die damit einhergehende nervliche Anspannung wird in der Familie Vietinghoff als Auslöser für des Grafen psychische Erkrankung überliefert. Betrachtet man die Fotos der beiden, so wird jedem die Erfindung der Romanfigur schnell klar, wenn man dazu liest: Sie sind beide schön und auf den ersten Blick einander ähnlich. Es ist also nicht anzunehmen, dass M.Y. jemals ein Foto von Sten von Lewenhaupt sah. Auch hier kann man weniger von Ergänzung durch einzelne Mosaiksteinchen sprechen als von der reichen Ausgestaltung eines Torsos. 7. Aus Pastor Meyhoffer in Brüssel macht M.Y. den Pastor Niedermayer in Dresden. (S.84) |
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8. Es nicht möglich, das Gegenteil zu beweisen, aber es würde zu der Art Marguerite Yourcenars passen, wie sie – nicht nur in diesem Band – Wahrheit und Dichtung geschickt romanhaft verschmelzt: Ist das zitierte Gedicht an Jeanne wirklich von Michel oder nachträglich von seiner Tochter selber verfasst? Man denke an den fiktiven Brief von Jeanne an Michel (s. Punkt 1). Und selbst wenn er das Gedicht geschrieben hätte, die Welt der Gedichte ist eine eigene, in der sehr viel Sehnsucht und Fantasie Platz hat, gerade als Oase unerfüllter Sehnsucht in der Wüste der Realitäten und Banalitäten. Warum deshalb folgende Zeilen für eine erfüllte Liebe sprechen sollen, bleibt unverständlich.
Ich möchte Deinen hüllenlosen Leib umfangen; Ich möchte aus des Himmelsdoms Wölbung Millionen Sterne hol'n zu Deinem Schmuck; Und sie erblassen sehn vor Deiner Augen Glanz. Ich möchte tausend Rosen auf den Weg Dir streun, Aus goldnem Dreifuß Weihrauch steigen lassen, Zu Deinen Füßen liegend alles rings vergessen, Den Tod erwartend Dich allein nur sehn. Und wenn Er kommt, so beug Dich über mich, Damit beim großen Wecken mir das Glück zuteil, Auf meinen Lippen Deinen Kuss zu spüren Und seine Süße mich in Ewigkeit begleite. (S.103, Übersetzung Rolf und Hedda Soellner) |
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Die von Yourcenar suggerierte gleichsam eheliche Intimität dieses letzten Verses, und vor allem die ihm bekannte Süße des Kusses, als ob er davon nicht loskam, lässt mich glauben, dass Michel in dieser Welt ein Glück genoss, das er für die Ewigkeit beanspruchte. (Dies ist eine wörtlichere Übersetzung als in der dt. Ausgabe im Fischer TB). Könnte es sein, dass bei diesem Thema der sonst so umsichtigen und brillanten Schriftstellerin der innige Wunsch nach einer Vereinigung der beiden sie am meisten prägenden Menschen (realer Vater und erträumte Mutter) so mächtig ist, dass sie diesen Vers als bekannte Süße und in dieser Welt ein Glück genoss überinterpretiert? Neutral betrachtet, geben diese Zeilen eine solche Interpretation nicht her. Hier scheint die berühmte Schriftstellerin ihren blinden Flecken zu haben. Es scheint jedoch auch gut möglich, dass auch dieser Teil der Novelle reine Literatur darstellt – einschließlich des Gedichts.
Es ist bekannt, dass Jeanne ihr lebenslanges Idol war; wovon schon die frühen Sieben Gedichte an eine Tote, eine Art Apotheose, zeugen. In einem Brief an Egon von Vietinghoff schreibt sie 1983: Ihre Mutter … ist für mich zu einer Legende geworden, zu einer Legende, die mein Leben beeinflusste. Die Sehnsucht nach einer Mutter, nach Jeanne, nach bedingungsloser liebevoller Vereinigung generell sitzt tief an der Wurzel ihrer Existenz, da wo im Kindbett die plötzliche Entzweiung von ihrer leiblichen Mutter einschlug. Tiefenpsychologisch allzu verständliche, unbewusste Wünsche scheinen den Blick auf dieses Gedicht zu färben: sie sah ihre Eltern niemals nebeneinander. In Anbetracht von Yourcenars Art, einen Roman zu komponieren, ist es jedoch naheliegend, dass auch dieses Gedicht reine Literatur ist. Außerdem ist das angebliche Gedicht ihres Vaters eine auffallende Parallele zu Yourcenars "Sieben Gedichte für eine Tote"; ein weiterer Grund zur Annahme, dass es ebenfalls aus ihrer Feder stammt. |
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9. Etwas lakonisch schreibt M.Y.: Jeanne hat sich ihm ergeben. Michel hat dieses Geschenk mit großer Dankbarkeit und ein wenig Überraschung empfangen. Er war nicht auf die Idee gekommen, dass eine Tugend, wie er sie bei ihr vermutete, so schnell kapitulieren könnte. Bei so vielen nachweislich romanhaft komponierten Szenen stellt sich die Frage, warum ausgerechnet diese den Tatsachen entsprechen soll. Ohnehin skizziert die Autorin ihre Jeanne in der Figur der "Plotina" in Ich zähmte die Wölfin ganz anders: …ebenso war ihr meine leidenschaftliche Lust am Fleische fremd. Sie war keusch, weil sie es verschmähte, das Leben leicht zu nehmen …; oder wie in der von Jeanne inspirierten Figur der "Valentina" in Anna, soror …: Als mustergültige Gattin hatte sie niemals Liebhaber .... (S.8 / 110)
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![]() Ein anderer Satz lässt den Leser schmunzeln: Die Szenen dieses Abends sind Michel nixht erzählt worden. Sie sind schwierig zu bechreiben (schwierig auch zu schreiben, will man sie nicht verfälschen). Bei Yourcenars durchgehendem Abändern von Tatsachen und Spielen mit Fakten grenzt dieser Satz an ungewollte Selbstironie. |
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11. Unklar oder widersprüchlich ist Yourcenars Chronologie auch bei folgender Episode: Jeanne war da. Nach einem Aufenthalt bei ihrer Mutter in Den Haag … hatte sie in Brüssel Station gemacht, um meine Tante zu begrüßen. … Sie streckte mir die Arme entgegen. Ich stürzte mich mit Freuden hinein. Ihr Kuss, der zugleich aus der Seele, aus dem Herzen und aus dem ganzen Körper kam, stellte sofort die einstige spontane Vertrautheit wieder her, obgleich die vergangenen vier Jahre der Abwesenheit fast die Hälfte meines damaligen Lebens darstellten. (S.222)
Nach der Zeitfolge der Erzählung müsste diese Begegnung spätestens 1913 stattgefunden haben. Dann wäre Marguerite 10 Jahre alt gewesen und fast die Hälfte meines Lebens könnten tatsächlich vier Jahre bedeuten. Eine so lange Abwesenheit kollidiert jedoch mit den davor behaupteten Besuchen bei den Vietinghoffs in der Rue Cernuschi, die sie nach dem fiktiven "Skandal von Rom" in die Jahre 1909 bis ca. 1912 legt, was keine vier Jahre Abwesenheit erlaubt und wegen des Umzugs der Vietinghoffs ohnehin nicht sein kann. |
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